Online-Umfrage: ePA im Praxisalltag etabliert – technische Hürden bremsen
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist in den Praxen angekommen: Sowohl bundesweit als auch in Schleswig-Holstein setzt die große Mehrheit der Ärzte und Psychotherapeuten das Instrument aktiv ein. Rund 80 Prozent haben bereits Dokumente in der ePA hinterlegt. Zugleich hält die Kritik an der technischen Umsetzung unvermindert an.
Das zeigen erste Ergebnisse einer bundesweiten Online-Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Ende Januar durchgeführt wurde. Dabei haben sich überdurchschnittlich viele Praxen aus dem nördlichsten Bundesland beteiligt. Von fast 6.000 Teilnehmern kamen knapp 500 aus Schleswig-Holstein. Ziel der Umfrage war es unter anderem, die Praxistauglichkeit der ePA im Versorgungsalltag sowie die Zufriedenheit mit ihrer technischen Implementierung zu ermitteln.
ePA-Dokumente werden aktiv genutzt
Dabei zeigte sich eine hohe Nutzungsquote, denn etwa drei Viertel der schleswig-holsteinischen Ärzte und Psychotherapeuten gaben an, bereits in der ePA gespeicherte Arztbriefe, Befundberichte oder andere Unterlagen eingesehen und für die Behandlung genutzt zu haben. Auch die elektronische Medikationsliste wird überwiegend positiv bewertet: Knapp 85 Prozent der Befragten stuften sie als hilfreich oder zumindest teilweise hilfreich ein. Angesichts der Tatsache, dass die „ePA für alle“ erst seit rund sechs Monaten flächendeckend verfügbar ist und ergänzend zur Dokumentensammlung wie Arztbriefe und Befunde mit der elektronischen Medikationsliste bisher erst eine strukturierte Anwendung zur Verfügung steht, sind diese Zahlen sehr ermutigend. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass die vollständige Integration in die Versorgungsroutine sowie eine breite Nutzung durch Patienten Zeit benötigen.
Technik als größtes Hemmnis
Deutlicher Handlungsbedarf besteht jedoch bei der Technik. Viele Teilnehmer beschrieben die ePA als „unausgereift“ und „störanfällig“. Fast 60 Prozent der befragten Ärzte und Psychotherapeuten aus Schleswig-Holstein berichten, in den Wochen vor der Erhebung mindestens einmal keinen Zugriff auf die ePA ihrer Patienten gehabt zu haben. Jeder Zweite klagt über sehr langsame Zugriffszeiten. Mehr als ein Drittel gab an, dass das Hochladen von Dokumenten zeitweise nicht möglich gewesen sei. Bei 26 Prozent kam es seit Einführung der ePA mindestens einmal zu einem Absturz des Praxisverwaltungssystems (PVS). Die Ergebnisse zeigen dabei erhebliche Unterschiede in der technischen Umsetzung zwischen den verschiedenen PVS-Anbietern. Entsprechend variieren die Zufriedenheitswerte der Praxen je nach Hersteller und Produkt teils deutlich.