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Magazin Nordlicht

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Lieferengpässe bei Medikamenten nehmen zu


12.12.2019


Lieferengpässe bei Arzneimitteln werden in Schleswig-Holstein zu einem immer größeren Problem.

Darauf weisen der Apothekerverband und die Kassenärztliche Vereinigung hin. Sie fordern Maßnahmen, um den Lieferengpässen entgegenzuwirken.

„Fast jeden Tag sind andere Medikamente betroffen“, sagte Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein. Zurzeit gebe es Lieferengpässe bei Schmerzmitteln, Blutdrucksenkern, Gerinnungshemmern und Antidepressiva.

Auch in den Arztpraxen wird der Ärger über die Lieferengpässe immer größer. “Der Patient bekommt nicht mehr sein gewohntes Arzneimittel. Bei Medikamenten, bei denen ein Austausch nicht möglich ist, muss auf Alternativpräparate zurückgegriffen werden“, betonte die Vorstandsvorsitzende der KVSH, Dr. Monika Schliffke. „All das kann eine komplexere Therapie zur Folge haben“, so Schliffke. Bei chronisch Kranken, die regelmäßig Tabletten nehmen müssen, sei die Umstellung auf alternative Medikamente umständlich und für den Patienten unangenehm.

Apothekerverband und KVSH kritisieren, dass die aktuelle Situation einen erheblichen Mehraufwand bedeutet. Ärzte und Apotheker seien zunehmend belastet, wenn sie die Folgen für die Patienten abzufedern versuchen. „Unsere Apotheken im Land müssen ständig prüfen, welche Medikamente überhaupt noch vorhanden und welche Alternativen erhältlich sind“, so Froese. Wenn ein bestimmtes Präparat nicht verfügbar sei, müsse der Apotheker ein wirkstoffgleiches Medikament beschaffen oder mit dem Arzt klären, ob ein neues Rezept ausgestellt werden könne. „Statt im Verkaufsraum müssen Apotheker ihre Zeit immer öfter am Telefon verbringen“, sagte Froese. „Und bei den Ärzten bleibt durch den Mehraufwand durch Abklärungsgespräche weniger Zeit für die Behandlung von Patienten“, ergänzte Schliffke.

Es seien zig regulatorische Anforderungen zu beachten, die eine pragmatische Lösung des Versorgungsproblems verhinderten. „Das Motto kann jetzt aber nur lauten: mehr Flexibilität, weniger Regulierung“, machten Schliffke und Froese klar. Als Beispiel nannten sie Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern. Bei Rabattverträgen bekommen Krankenkassen von Pharmafirmen Preisnachlässe. Apotheken sind dadurch verpflichtet, je nach Kasse des Versicherten nur ein Medikament bestimmter Arzneifirmen abzugeben. Wenn es zu Problemen bei der Produktion komme, gebe es kaum Alternativen. Die Rabattverträge müssten daher auf eine breitere Basis mit mehreren Pharmakonzernen gestellt werden. Hier sei der Gesetzgeber gefordert. „Mindestziel muss sein, dass die Apotheken die Vorgaben der Rabattverträge bei Lieferengpässen nicht mehr erfüllen müssen“, forderte Froese.

Ein weiteres Problem sei die steigende Gefahr einer sogenannten Retaxation, bei der die Apotheken wegen Abweichungen von der Regelversorgung in Regress genommen werden, obwohl Lieferengpässe zu den Abweichungen geführt haben. Auch hier müsse es Verlässlichkeit für das Abweichen von Regeln geben, damit Apotheken nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben.

Der Grund für die Lieferengpässe von Medikamenten ist nach Ansicht von Apothekerverband und KVSH vor allem der  Kostendruck auf dem globalen Gesundheitsmarkt: Große Teile der Wirkstoffe werden in wenigen Werken in China oder Indien produziert. Steht die Produktion zeitweilig still, hakt es in der Lieferkette. Aktuell listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mehr als 260 Arzneimittel mit Lieferschwierigkeiten auf, wobei Impfstoffe noch nicht berücksichtigt sind. Laut Berechnung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts waren im ersten Halbjahr 2019 bereits 7,2 Millionen Medikamente nicht verfügbar. Im Gesamtjahr 2018 waren es 9,3 Millionen Packungen; im Jahr davor hingegen nur 4,7 Millionen.

Gesprächspartner für die Medien:


Apothekerverband Schleswig-Holstein

Geschäftsstelle
Tel. 0431 319360, Mobil: 0160 97225476
E-Mail: verband@apotheke-sh.de

KVSH
Marco Dethlefsen, Pressesprecher
Tel. 04551 883 381
E-Mail: presse@kvsh.de


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